Zu Besuch in Marbach

 

Wir waren vor kurzem über das Wochenende in Marbach am Neckar, um dort Freunde zu besuchen. In dem kleinen Städtchen in der Nähe von Stuttgart steht das Geburtshaus von Friedrich Schiller. Ein kleines Handwerkerhaus aus den 1690er Jahren, in dem die Familie Schiller in äußerst ärmlichen Verhältnissen gelebt hat.

In Marbach wird die deutsche Literatur groß geschrieben und das Angebot reicht vom Literaturmuseum der Moderne, dem Schiller Nationalmuseum und dem Deutschen Literaturarchiv bis hin zu einer tollen Buchhandlung namens Taube in der Wendelinskapelle.

Nachdem ich Bücher über alles liebe und die kleinen Städtchen den großen Metropolen bevorzuge, war Marbach für mich die perfekte Kombination. Marbach ist teilweise noch von seiner Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert umgeben. Während sich die innere Mauer aus dem 12. – 13. Jahrhundert nahezu vollständig erhalten hat, sind von der äußeren Mauer nur wenige Reste erhalten.

Ein kurzer Rundgang durch das historische Viertel mit den drei Holdergassen aus dem 18. Jahrhundert hat mir besonders gut gefallen. Früher lebten hier Bauern und Winzer in den engen Gässchen und direkt gegenüber ihren Häusern lagen ihre Scheunen und Lagerräume. Dort ist auch heute noch eine kleine Brauerei namens Salzscheuer zu finden. In dem ehemaligen Salzlager wird heute gemaischt, gegoren und das gute Bier genossen.

Am liebsten würde ich an die kleinen Haustüren in der Holdergasse klopfen und die winzigen Häuschen mit ihren niedrigen Räumen von Innen erkunden. Alle zwei Jahre im September öffnen die Bewohner der Holdergassen ihre Keller und Höfe und laden zum Holdergassenfest ein, einem Weinfest der besonderen Art.

Weiter geht‘s in Richtung Schillerhöhe, wo auch ein großes Schiller-Denkmal steht. Hier findet jährlich zum Gedanken an Schiller der Blumengruss der Grundschüler statt. Es werden Gedichte und Passagen aus seinen Werken vorgetragen und im Anschluss wird seine Statue im bunten Blumenregen stehen.

 

Ein Museumsbesuch im Literaturmuseum der Moderne ist auf jeden Fall lohnenswert. Hier ist ein Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger zu finden, der auf Knopfdruck dichtet. Nach vierzig Sekunden Bedenkzeit rattern die Buchstaben auf der Tafel ähnlich den Anzeigetafeln am Flughafen.

Bei uns wurde folgendes Gedicht angezeigt:

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Das von David Chipperfield Architects entworfene Literaturmuseum der Moderne wurde 2006 eröffnet und 2007 mit dem Stirling Prize ausgezeichnet.

 

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